Schwesternschaft München
CHN und APN - Powerduo für die Gesundheitsversorgung

„Eine hohe Anzahl von ständig wiederkehrenden Aufnahmen in die Klinik, unnötige Notfälle, geringe Gesundheitskompetenz und Hausarztmangel“, charakterisiert Dr. Christine Aumer die brüchige Gesundheitsversorgung in Deutschland. Die Pflegewissenschaftlerin an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) ist zugleich wissenschaftliche Leiterin des Modellprojekts Community Health Nursing (CHN) in Lindenberg. Auf dem Augsburger Gesundheitskongress „because we care“ stellte sie die Notwendigkeit integrierter Versorgung in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Um Versorgungslücken kompetent zu schließen, favorisiert sie das Powerduo CHN und Advanced Practice Nursing (APN). APN sind Masterstudiengänge für Pflegefachkräfte, die den Kompetenzbereich der Gesundheits- und Krankenpflege vertieft sowie Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten erweitert. „APN übernehmen die Steuerung während des Klinikaufenthalts, CHN die anschließende sowie außerklinische Begleitung und sorgen für Koordination, Kontinuität, Patientenzentrierung und Früherkennung“, ist Dr. Aumer überzeugt.
Während APN und CHN in vielen Ländern bereits gesetzlich verankert ist, hinkt Deutschland hinterher. Dr. Aumer sieht die CHN klar abgegrenzt von der klassischen Gemeindeschwester. „Das Lindenberger Modellprojekt leistet multiprofessionelle Arbeit und ergänzt die Arbeit der Hausarztpraxis. Rund 1.500 Patientenkontakte seit Mai 2025 sprechen für sich.“ Den Alltag der CHN bestimmt die Primärversorgung von vorwiegend chronisch erkrankten, älteren Menschen. Einen wichtigen Anteil nimmt die Gesundheitskompetenzförderung der Patient:innen durch Hausbesuche, telefonische Beratung und Praxispräsenz ein. Sylvia Grebbin und Diana Scholz, die beiden CHN des Modellprojekts, sind erfahrene Pflegefachkräfte mit mehreren Zusatzqualifikationen, unter anderem Pflegeberaterin sowie Wundexpertin. Um den Nutzen ihrer Arbeit wissenschaftlich zu evaluieren, wird der CHN-Ansatz von einer Forschungsgruppe der Technischen Hochschule Deggendorf begleitet.
„Die Rolle der CHN muss von allen Akteuren im Gesundheitssystem akzeptiert werden. Neben tragfähigen Strukturen ist eine langfristige Finanzierung und eine gesetzliche verankerte Kompetenzerweiterung unerlässlich,“ formulieren Dr. Aumer und ihr Forschungsteam konkrete Zukunftsanforderungen. „Community Health Nursing kann bei sinkender Anzahl an Hausärzten eine kontinuierliche Versorgungsqualität sicherstellen. Ohne CHN werden zukünftig Lücken in der Gesundheitsversorgung immer deutlicher spürbar“.
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