Schwesternschaft München

Helmine Held - Generaloberin und Erbauerin des Heldinnen-Turms

München I 01.11.2025


Helmine Held (1916-2002) prägte maßgeblich die Schwesternschaft München. Am 1. November 1945, im Alter von 29 Jahren, wurde sie zur Generaloberin der Frauenorganisation mit Sitz am Rotkreuzplatz bestellt. Eine Herausforderung, denn die Schwesternschaft war mit den verheerenden Folgen des 2. Weltkriegs ebenso konfrontiert, wie das ganze Land: Die Schwesternschule am Rotkreuzplatz und das damalige Altersheim in Planegg waren ausgebombt und das Rotkreuzkrankenhaus bis auf die Grundfesten zerstört. Die von Fronteinsätzen zurückkehrenden Münchner Rotkreuzschwestern sowie vertriebene Schwestern aus Schlesien und Ostpreußen standen vor der Tür und mussten aufgenommen werden.

Held nahm Verhandlungen und Baumaßnahmen in Angriff und positionierte ihre Organisation mit großem diplomatischem Geschick. Sie setzte durch, dass 1947 der „Verband der Mutterhäuser in Bayern“ gegründet und im Folgejahr die „Schwesternschaft München“ ins Vereinsregister eingetragen wurde. Ein wichtiger Schritt für die rechtliche und finanzielle Selbstständigkeit der Frauenorganisation unter dem Dach des Bayerischen Roten Kreuzes.

1947 erwarb Held das ehemalige Baumeisterhaus in Grünwald, das seither als Schwesternheim Grünwald als Alterswohnsitz für pensionierte Schwestern dient. Bereits 1951, nach einjähriger Bauzeit eröffnete das Haupthaus des Rotkreuzkrankenhauses wieder. Der weitere Aufbau der Krankenanstalt und des Schwesternhauses folgte in den nächsten Jahren. Seit 1972 werden Rotkreuzkrankenhaus und Frauenklinik Taxisstraße (ehemaliges Mütterheim, ebenfalls eine Erwerbung von Held) im Verbund geführt. In den Folgejahren entwickelte sich der Verbund zu einem weithin über München hinaus bekannten Rotkreuzklinikum der Schwerpunktversorgung.

1963 übernahm die Schwesternschaft offiziell das vom Landkreis erbaute Dr. Otto Gessler-Krankenhaus in Lindenberg. 1979 startete in unmittelbarer Nachbarschaft der Betrieb als eigene Berufsfachschule für Krankenpflege mit 75 Ausbildungsplätzen.

Mit dem Neubau des Hochhauses als Verwaltungssitz, Pflegeschule und Wohnheim krönte Generaloberin Held ihr Bauprojekt in München/Neuhausen. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit und mehr als 19 Millionen D-Mark Baukosten wurde das fünfzehnstöckige Hochhaus im Dezember 1967 eingeweiht. Beim Festakt würdigte der damalige Münchner Oberbürgermeister und spätere Kanzlerkandidat der SPD, Jürgen Vogel, besonders das Verhandlungsgeschick von Generaloberin Held: „Es ist schon schwer einem Helden zu widerstehen, wer könnte da einer Heldin Widerstand leisten?“ Bald danach kursierte unter den Neuhauser Bürger:innen ein eigener Name für den Bau. Sie nannten ihn ̀Heldinnen-Turḿ – nach der Frau, die maßgeblich für den Neubau verantwortlich war.

Im Juli 1982 trat Helmine Johanna Charlotte Held in den wohlverdienten Ruhestand ein. Eine Ära ging mit ihr zu Ende. Held hatte die Schwesternschaft München mit strenger, aber immer gerechter Hand zu einer wirtschaftlich starken, für qualifizierte Ausbildung, gezielte Fortbildung und fachkompetente Pflege und bekannten Frauenorganisation geführt. Im Alter von 86 Jahren verstarb sie am 31. Dezember 2002. Ihr zu Ehren trägt das ehemalige Schwesternheim Grünwald den Namen „Parkresidenz Helmine Held“.


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