Rotkreuzschulen: Pflegeschule Erding
Professionelle Sterbebegleitung in der Pflegeausbildung
Erding I 30.03.2026

Der Berufsalltag von Pflegefachkräften ist vielseitig und in der Regel darauf ausgerichtet, den Genesungsprozess professionell zu unterstützen. Doch zum Berufsbild gehört auch, Patient:innen am Ende ihres Lebensweges zu begleiten. Um den Pflegenachwuchs sensibel an das Thema „Sterben und Tod“ heranzuführen, veranstaltet die Berufsfachschule für Pflege Erding ein sogenanntes Sterbebegleitungsseminar. Erika Birner-Hintermaier organisierte für den Auftakt der Intensivwoche einen zweitägigen Aufenthalt im Bildungshaus „Oase Steinerskirchen“. Herausgelöst aus der Lernumgebung Schule nutzten die Pflegeazubis im zweiten Ausbildungsjahr die Umgebung, um sich intensiv mit psychosozialen Aspekten der Sterbebegleitung zu befassen. Dabei thematisierte Lehramtsassessorin für berufliche Schulen unterstützt von Pflegepädagogin Kerstin Sievers nicht nur die Situation des Sterbenden, sondern auch des Begleiters. „Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben im beruflichen sowie im privaten Bereich hilft, Sterben als aktiven Prozess und als Bewältigungsaufgabe zu begreifen“, so Birner-Hintermaier.
Sie regte die Azubis an, das Zusammenspiel Sterbender und Begleiter kreativ und szenisch zu bearbeiten. So erarbeitet die Klasse die Durchführung eines Abschiedsrituals und das Überbringen einer Todesnachricht sowohl dialogisch als auch mithilfe von Rollenspielen. Steffen Ziener, Palliativ Care Fachkraft und Geschäftsführer des Palliativteams SAPV Erding, unterrichtete Pflegemaßnahmen bei sterbenden Menschen. Angeleitet von Klinikseelsorgerin Claudia Dorfner setzte sich die Klasse mit den Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross und dem Umgang mit dem Tod im Christentum und Islam auseinander. Zur Auflockerung gab es zwischendurch Yogaeinheiten und Körperübungen mit Pflegepädagogin Sievers sowie gemeinsame Spaziergänge in der Mittagspause.
Zurück in der Pflegeschule am Gesundheitszentrum in Erding folgte die Theorie zur rechtlichen Situation wie Patientenverfügung oder Bestattungsgesetz. Konkrete Unterstützungsangebote für Pflegende durften beim theoretischen Input ebenso wenig fehlen wie die Evaluation der Sterbebegleitungswoche.
Bianca Ascher haben die zwei Tage im Bildungshaus tief berührt. „Ich habe gelernt, wie viel Würde, Nähe und Menschlichkeit im Sterben liegen kann. Die Stille in der Oase Steinerskirchen hat mir geholfen, keine Angst mehr vor dem Thema zu haben, sondern es mit mehr Verständnis und Respekt zu sehen“, sagt die Auszubildende. Auch für ihren Kurskollegen Ali Soroush war das Seminar eine wertvolle Erfahrung. „Es hat mir gezeigt, wie wichtig eine würdevolle Begleitung am Lebensende ist. Ich habe mehr Sicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen gewonnen.“ Claudia Andrasik ergänzt: „An einem schönen, ruhigen Ort in wertschätzender Atmosphäre habe ich viel gelernt, mich weiterentwickelt und dabei sogar Momente der Leichtigkeit und Freude gespürt – eine Erfahrung, die lange nachklingt.“
Die positive Resonanz, die Offenheit und das Engagement der Auszubildenden sind für Birner-Hintermaier und Sievers ein Anreiz, diese Intensivwoche weiterhin anzubieten. „Die Lernumgebung in der Oase Steinerskirchen trägt viel dazu bei, dass die Auszubildenden nicht nur einen professionellen Umgang mit Sterbenden und deren Angehörigen „lernen“. Gefördert wird durch diesen Ortswechsel auch die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben - eine im Pflegeberuf unumgängliche Konfrontation“, ist Birner-Hintermaier überzeugt. „Sie ermöglicht eine kongruente, empathische Sterbebegleitung und fördert die persönliche Resilienz,“ fügt Sievers hinzu.
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